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Ein Gütesiegel für den Martin-Luther-Kindergarten

Offen Einladend Evangelisch. So lautet das Leitbild der Kirchengemeinde Tettnang. Dass diese Vorgaben durchaus alltagstauglich sind, wird im Kindergarten des Trägers beispielhaft vorgelebt wie der kürzlich verfasste Auditbericht belegt. Die offizielle Bestätigung für die geleistete Qualitätsarbeit gibt es am Sonntag 19. April, beim Festgottesdienst. Dann bekommt die Einrichtung das BETA-Gütesiegel der Bundesvereinigung evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder in Deutschland überreicht.
Eltern haben den dreigruppigen Martin-Luther-Kindergarten längst und ohne Gütesiegel schätzen gelernt. So sind die 53 Plätze zusammen mit der Krippe nicht nur belegt, es gibt sogar Wartelisten, obwohl in der Kommune andere Tageseinrichtungen nicht ausgebucht sind. Die kleinen Jungen und Mädchen kommen aus unterschiedlichen Stadtteilen und sehr verschiedenen Familien. Die Eltern - ob katholisch, evangelisch, muslimisch oder ohne Religion – schätzen die kleine aber vielseitige Einrichtung. Dabei wird auf ein protestantisches Profil ganz im Sinne des Namenspatrons sehr viel Wert gelegt. Grundlage ist eine religiöse evangelische Erziehung, sagt Pfarrerin Kleinknecht-Wagner. Deshalb ist die Feier von christlichen Festen oder die Mitwirkung der Kinder in Gottesdiensten, wie beim Erntedank-Gottesdienst in der Schlosskirche selbstverständlich. Und alle machen mit, sagt die 32jährige Kindergartenleiterin Carolin Schnell, die selbst seit ihrer Jugend mit der Kirchengemeinde verbunden ist und auch beim Gottesdienst für kleine Leute mitarbeitet.
So unterstreicht Christa Buttermann in ihrem Auditbericht auch die vielseitigen religiösen Bildungsangebote und das Anliegen des Trägers, dass sich die Mitarbeiterinnen der kirchlichen Dienstgemeinschaft zugehörig und darin wohlfühlen. Der Kindergarten wird von unserer Kirchengemeinde als Bereicherung und nicht als Last empfunden, erklärt die Pfarrerin, die das reformatorische Verständnis als immerwährenden Prozess auch auf die Kindergartenarbeit überträgt. „Wir informieren uns ständig über die Bedürfnisse einer sich laufend verändernden Gesellschaft. So waren wir die erste Einrichtung in Tettnang, die Kinder unter drei Jahren aufnahm, weil wir sehr früh die Probleme der Alleinerziehenden erkannt hatten, so Kleinknecht-Wagner. Inzwischen hat die Einrichtung eine Krippe mit zehn Plätzen und bietet verschiedene Varianten verlängerter Öffnungszeiten und der Ganztagesbetreuung samt Mittagstisch an.
Die Auditorin zitiert in ihrem Bericht dann auch die Eltern, die den Kindergarten als offen und einladenden erleben. Sie schätzen offensichtlich auch die individuelle Begleitung des Kindes, was zum Beispiel im liebevoll gestalteten Portfolio für jeden kleinen Jungen und jedes kleine Mädchen zum Ausdruck kommt. Da aber auch der Austausch der Eltern untereinander möglich sein soll, bietet die Einrichtung ein Elterncafe an.
Den Dienstplan für die insgesamt 13 Erzieherinnen erstellt Leiterin Schnell digital. Zweifellos eine Puzzlearbeit, denn sie möchte auf die Arbeitszeitwünsche ihrer Mitarbeiterinnen, die alle ein spezielles Fachgebiet haben, so gut es geht eingehen. Ihre Zufriedenheit ist ihr wichtig. Deshalb hängen bei unserem Besuch in ihrem Büro auch 13 bunte, dicht beschriebene Zettel. Bei der letzten Teambesprechung sollten sie zehn Punkte aufschreiben, was sie an ihrer Arbeit wertschätzen. Dieser positive Blick auf die Gemeinschaft ist der Geist, der in diesem Hause zu spüren ist.
Zweifellos ist ein Zertifizierungsvorhaben mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Allerdings war man mit der Erstellung des Leitbildes und in Sachen Qualitätsmanagement schon weit fortgeschritten. Durch das jetzt vorliegende Bundesrahmenhandbuch bekommt man einen guten Leitfaden an die Hand, sagt Schnell und hebt einen dicken Aktenordner hoch. Den darf jede neue Mitarbeiterin durcharbeiten und dann weiß sie, was im Martin-Luther-Kindergarten Sache ist. Herausragend ist der Wille von Träger und Leitung zur konsequenten Weiterentwicklung der Qualität in der Einrichtung. Mehr Lob kann es bei einem Audit kaum geben.
Es ist zwölf Uhr. Zeit zum gemeinsamen Mittagessen mit Tischgebet. Eines von vielen wichtigen Ritualen.

Auch der großzügige Außenspielbereich wird von Kindern, Eltern und Erzieherinnen geschätzt. Links Kindergartenleiterin Carolin Schnell, daneben Pfarrerin Martina Kleinknecht-Wagner und Erzieherin Katharina Vogler (Bild: BAWA)